Wenn man bei Birgit Meyer-Heinemann von mütterlich sprechen würde, könnte man das in den falschen Hals bekommen. Und trotzdem ist es eigentlich die richtige Bezeichnung für die agile Unternehmerin, die sich mit dem Anakenenhof einen Lebenstraum verwirklichte.
Schon auf den ersten Blick ist Birgit Meyer-Heinemann eine Frau, bei der man spürt, dass sie das Herz auf dem rechten Fleck hat. Offen, herzlich, geradeheraus – ein direktes Wort ist der 60-Jährigen lieber als Schönfärberei. Nur wenn Sie über die Pferde, Kinder, Hunde oder ihren Garten auf dem Anakenenhof spricht, dann wird es schon mal etwas prosaischer. „Wenn man etwas mit Leidenschaft und Engagement betreibt, dann strahlt man das auch aus“, so Meyer-Heinemann. Und dass Leidenschaft hinter allem in ihrem Leben steckt, ist nicht nur hör-, sondern auf dem Anakenenhof auch gut sichtbar: Das großzügige Anwesen, das sie vor fünf Jahren gemeinsam mit ihrer Tochter Jana und Dressurausbilder Thomas von Samson aufbaute, zeigt anschaulich, wie Funktionalität und Schönheit perfekt harmonieren können. „Für das Funktionale war in unserem Fall Thomas verantwortlich. Wir hatten keine Einwände. Das Schöne ist dann auf meinem Mist gewachsen und fand wiederum seine volle Zustimmung.“
Diese Übereinstimmung in allen wesentlichen Bereichen ist auch mit Basis der seit 15 Jahren währenden Zusammenarbeit, die auf der Flottbeker Anlage in Hamburg begann und über Friedrichshulde nach Pinneberg führte. „Wir hatten uns schon viele Grundstücke im Raum Hamburg angesehen, doch dieses ehemalige Baumschulgelände war auf Anhieb unsere erste Wahl“, so Tochter Jana, gelernte Physiotherapeutin, die mit dem Oldenburger Hengst Friedrich dem Großen und P.S.I.-Zugang Barnaby zwei der vier familieneigenen Pferde reitet. Doch nicht nur an der Grundstücksfindung, auch an der ungewöhnlichen Namensgebung war die 27Jährige beteiligt – indirekt. „Jana ist in Chile geboren. Ihr Zweitname ist Anakena, nach einer vorgelagerten Insel vor Chile. Da kam mir beim Herumfahren in den Sinn, warum man die Anlage nicht Anakenenhof nennen sollte“, erklärt Birgit Heinemann. Denn ihre Adoptivtochter ist ihr das Wichtigste und schließlich soll die 27-Jährige, die sich gerade zur Pferde-Physiotherapeutin weiterbilden lässt, auf dem Anakenenhof auch ihre berufliche Heimat finden. „Eine Kombination von Janas therapeutischer Arbeit mit dem Ausbildungsstall ist das Ziel“, so Thomas von Samson, der bei Georg Otto Heyser seinen Meister machte und u.a. auch bei Herbert Rehbein ritt. Was er der Familie Heinemann verdankt, dessen ist sich von Samson, der den Anakenenhof gepachtet hat und dort einen Ausbildungs- und Turnierstall betreibt, bewusst. „Unabhängig von sportlichem Leistungsdruck in solch einem familiären Umfeld seinen Beruf mit dieser Unterstützung ausüben zu können“, so der kolumbianische Nationaltrainer, dem die meisten seiner Kunden auch auf den Anakenenhof gefolgt sind, „ist keine Selbstverständlichkeit.“ Für Birgit Meyer-Heinemann schon. Denn die Förderung von Talenten - in allen geschäftlichen Bereichen - ist eine weitere ihrer Leidenschaften, die sie prägen und antreiben.
Beraten, unterstützen, kleine Netzwerke schaffen – die auf dem renommierten Moorhof groß gewordene Hamburgerin möchte ihre Möglichkeiten gezielt für andere nutzen. So wird der talentierte Neffe Oliver Heinemann Fotograf, die vielversprechende Künstlerin aus dem Ort bekommt eine Ausstellung, Geschäftsgründer werden an die Hand genommen.
„Egal ob im Reitsport oder sonst wo, das Leben ist zu stark von Geld dominiert. Dabei geht es um mehr als Geld. Die, die es sich erlauben können, sollten deshalb auch andere unterstützen. Ich hatte Glück, das kann ich doch weitergeben!?“, sagt Meyer-Heinemann dazu beinahe pragmatisch. Wer möchte, kann dieses Glück auf dem Anakenenhof sogar tatsächlich sehen. In den von Birgit Meyer-Heinemann gestalteten Löschteichen stehen nämlich zwei Skulpturen, die darstellen, was hier gelebt wird: Ein Ginko, der Baum des Glücks, und ein Mädchen, das ihrem jungen Zuhörer die Geschichte vom Glück vorliest. Und wer genau hinhört, kann auf dem Anakenenhof ein bisschen was davon verstehen.